20 Jahre Euro: Eine kurze Bilanz – Bernd Lucke

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Der Euro steckt fast die Hälfte seiner Lebenszeit in einer Krise. Ohne den Euro hätte es keine Staatsschuldenkrise gegeben,  keine Bankenkrise dieses Ausmaßes und keine Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa.

Es besteht kein Grund zum Feiern. Zum 20. Geburtstag des Euros muss man vor allem eines festhalten: Der Euro ist ein fehlgeschlagenes Experiment mit fatalen Folgen insbesondere für Südeuropa.

20 Jahre Euro: Eine kurze Bilanz

Bernd Lucke

Am 01.01.2019 wurde der Euro 20 Jahre alt. Diese Woche war dies Anlass, im Europäischen Parlament unter allerlei Tamtam eine kleine Feierstunde abzuhalten. Ein eigenes Hashtag, #EUROat20, gehörte natürlich auch dazu.

Dabei gab es aber eigentlich nichts zu feiern. Blickt man auf Kennzahlen wie Staatsverschuldung, Arbeitslosenraten oder Haftungssummen, kann man nur zu dem Ergebnis kommen, dass der Euro nach wie vor in einer existenziellen Krise steckt. Griechenland mag den Rettungsschirm verlassen haben, dauerhaft tragfähig ist seine erschreckend hohe Staatsverschuldung deshalb noch lange nicht. In Italien geht die Regierung mit ihrer Defizitpolitik auf offenen Konfrontationskurs zur Kommission und den übrigen Euro-Staaten. Und in Frankreich erzwingen die Gelbwesten höhere Staatsausgaben, die Präsident Macron mit einer die Maastricht-Obergrenzen überschreitenden Neuverschuldung finanzieren will. 

Europa wäre ohne den Euro besser dran gewesen

Diese Nachrichten können nicht als vorübergehende Turbulenzen verbucht werden. Der Euro steckt nun fast die Hälfte seiner Lebenszeit – neun von 20 Jahren – in einer Krise. Die versprochenen Segnungen wie verstärkter Handel, höheres Wachstum, ein Zusammenwachsen der Völker hat er allesamt nicht eingelöst. Deshalb muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob Europa ohne den Euro nicht besser dran gewesen wäre?

Ohne den Euro hätte es  keine Staatsschuldenkrise gegeben.

Denn ein Land, das über eine eigene Währung verfügt und in dieser verschuldet ist, kann zur Not immer seine eigene Währung drucken, um seine Schulden zu bedienen. Staatsinsolvenzen können dann nicht vorkommen. Die Europäische Zentralbank aber darf nicht die Schulden anderer Staaten finanzieren. Das verbieten die Europäischen Verträge aus zwei guten Gründen: Erstens wäre dies nachteilig für andere Eurostaaten, zweitens würde dies alle Anreize für eine solide Haushaltspolitik des betroffenen Staates ruinieren.

Ohne den Euro hätte es auch keine Bankenkrise dieses Ausmaßes gegeben

Die notleidenden Kredite in den Bankbilanzen entstanden ja durch die schwere Rezession, in die die südeuropäischen Länder durch die Sparauflagen der Eurorettungspolitik gedrückt wurden. Und durch die Tatsache, dass in ihren Bilanzen haufenweise Anleihen von Staaten standen, die insolvenzbedroht waren, weil sie sich nicht mehr ihr eigenes Geld drucken konnten. Ohne den Euro hätten wir weniger wacklige Staaten und weniger wacklige Banken in Europa.

Ohne den Euro hätte es auch keine Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa gegeben

Diese wurde maßgeblich durch die fehlgeleitete Rettungspolitik und die fehlende Möglichkeit der Abwertung ausgelöst. In Griechenland ist fast jeder zweite Unter-25-Jährige arbeitslos. In Italien ist es jeder Dritte, in Spanien fast zwei von fünf. Mit anderen Worten: Wegen des Euros haben wir eine verlorene Generation herangezüchtet, deren berufliche Möglichkeiten wegen der gemeinsamen Währung dauerhaft schwer beeinträchtigt ist. Denn langjährige Arbeitslosigkeit ist wie eine hässliche Narbe im Lebenslauf: Oft haben die Betroffenen noch Jahrzehnte später niedrigere Löhne als gleich Qualifizierte, die stets berufstätig sein konnten.

Kein Grund zum Feiern also. Zum 20. Geburtstag des Euros muss man vor allem eines festhalten: Der Euro ist ein fehlgeschlagenes Experiment mit fatalen Folgen insbesondere für Südeuropa.

2019-01-17T13:00:10+00:0017.01.2019|
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