Prof. Dr.  Bernd Lucke (LKR)

«Zu einfach, fast alle Probleme auf Migranten zurückzuführen»

Interview mit der „Schweiz am Wochenende“ vom 19.1.2019

„Bei der Gründung 2013 haben wir uns sehr klar in der politischen Mitte verortet. Es gab überhaupt keinen Grund, uns ständig in die Nähe des Rechtsradikalismus zu rücken. Aber weil das immer wieder geschehen ist und der soziale Druck auf unsere Mitglieder stieg, haben sich viele Moderate zurückgezogen. Gleichzeitig wurden Personen mit sehr rechtem Gedankengut angezogen. Zwischen 2013 und 2015 hat sich die Mitgliederstruktur dadurch stark verändert“.

„Mein Teil der AfD, also der gemässigte, wirtschaftsliberale Flügel, [hat] am Parteitag in Essen 2015 einen Richtungsentscheid herbeigeführt. Die Frage war, ob wir als Kraft der Mitte konstruktiv-kritisch mitarbeiten oder eine Protestpartei am rechten Rand sein wollen. Die Entscheidung fiel dann klar gegen uns und für Frauke Petry. Daraus haben ungefähr 6000 Mitglieder, darunter auch ich, die Konsequenzen gezogen und sind ausgetreten.

Deshalb haben wir ja die Liberal-Konservativen Reformer (LKR) gegründet. Deutschland braucht eine wirtschaftsliberale, wertkonservative Partei.

20 Jahre Euro

„Der Euro hat uns jede Menge Probleme bereitet. Länder wie Italien, Griechenland und Spanien haben durch den Euro viel gelitten und seit der Einführung kaum Wachstum erlebt. Die Schuldenkrise und die Bankenkrise sind die direkte Folge des Euros. Von der Massenarbeitslosigkeit gar nicht zu sprechen“. „Europa ist nicht zusammengewachsen. Europa wurde durch den Euro tief gespalten“.

„Ärmere Länder in Osteuropa zum Beispiel sind weit weniger stark verschuldet. Auf strukturelle Reformen haben die Politiker in Südeuropa oft keine Lust, wie das Beispiel Italien zeigt. Solange das Geld aus europäischen Kassen kommt, lebt man ja auch so ganz gut. Also müssen wir diesen Ländern sagen: Ihr könnt machen, was ihr wollt. Aber erwartet nicht, dass euch jemand anders aus der Patsche hilft. Strengt euch an und macht Reformen, wenn ihr im Euro bleiben wollt. Ansonsten steht es euch frei, den Euro zu verlassen“.

Lösungsansatz zur Eurokrise

Fürs Erste wäre es schon mal nicht schlecht, wenn wir uns ausnahmsweise wieder an die geltenden Regeln halten würden. Sprich: Wenn wir das Nichtbeistandsprinzip praktizieren und sagen, jeder Staat arbeitet aus seiner eigenen Kraft heraus. Zusätzlich müsste man ein Austrittsrecht einführen für jene Staaten, die mit dem Euro nicht klarkommen. Beides zusammen würde den Euro wahrscheinlich schrumpfen lassen auf einen Kernbestand an wirtschaftlich gesunden Ländern. Dann kann er auch funktionieren.

 

 

https://www.aargauerzeitung.ch/ausland/afd-gruender-bernd-lucke-zu-einfach-fast-alle-probleme-auf-migranten-zurueckzufuehren-133977632