Nach dem die CDU eine Woche zuvor auf Weichenstellungen verzichtet hat und den Zug lieber weiter geradewegs ins Nirgendwo fahren lässt, haben am vergangenen Wochenende zwei weitere Bundestagsparteien sehr wohl Weichenstellungen vorgenommen:

Der SPD-Zug biegt nach links, der AfD-Zug noch weiter nach rechts ab.

Die SPD hat mir ihrem Mitgliederentscheid Selbstmord aus Angst vor dem Tod begangen. Hineingetrieben wurde sie dazu von ihrem Alpha-Kevin Kühnert, der massiv für  das Du „Nowabo“ und Saskia Esken getrommelt hatte.

„Nowabo“, wegen Unaussprechlichkeit des eigentlichen Namens das passende SPD-Gegenstück zu CDU-AKK, hat als früherer NRW-Finanzminister gleich dreimal hintereinander mit dem Haushalt die Verfassung gebrochen.

Von Frau Esken stammen folgende Zitate:
„Wer Sozialismus negativ verwendet, hat halt einfach keine Ahnung. So.“
„Echten Sozialismus gab’s bisher noch nicht.“

Wer nach UdSSR, DDR, Nordkorea, Kuba, Venezuela, Kambodscha Sozialismus für ein Zukunftsprojekt hält ist für mich genauso suspekt wie jemand, der zum Kyffhäuser pilgert um tausendjährige Allmachtsphantasien zu beschwören.

Womit wir bei der AfD sind: Dort hat man mittlerweile gelernt, wie man Parteitage inszeniert. Einzelne mehr oder weniger naive bzw. mehr oder weniger informierte Medienvertreter haben die Wiederwahl des „bürgerlichen“ Feigenblattes Meuthen als Zeichen der Normalisierung bewertet.

Dem neugewählten, aus Sachsen stammenden Co-Vorsitzende Chrupalla wird positiv attestiert, dass er ja immerhin „nicht dem Flügel angehört“, frei nach dem Motto „es hätte ja noch viel schlimmer kommen können“.

Völlig verdrängt wird dabei, dass er schon vor Monaten vom rechtsradikalen Flügel-Frontmann Höcke als Wunschkandidat geadelt wurde. Kein Wunder, wo ihm doch Vokabeln wie „Umvolkung“ locker-flockig über die Zunge gehen.

Nein, so unintelligent sind die Herren Kalbitz, Kubitschek und Höcke nicht, dass sie die Machtergreifung jetzt bereits offen über den Vorsitz dokumentieren. Stattdessen haben sie dafür gesorgt, dass der Bundesvorstand bei den weiteren Wahlen rigoros von Flügel-Kritikern gesäubert wurde.

Alexander Gauland, der als eine Art Franz von Papen der AfD bislang einerseits das Scharnier zwischen dem Flügel einerseits und den konservativen bis reaktionären, aber eben nicht rechtsradikalen Kräften in der AfD, andererseits aber auch Beschützer und Mentor von Kalbitz, Höcke und Co. war, gehört dem neuen Bundesvorstand nicht mehr an. Vermutlich wird er auch gar nicht mehr gebraucht: der Weg ist bereitet.

Es ist ein Weg ins Abseits. Und damit sind wir wieder bei der SPD.

Jürgen Joost

LKR Bundesvorsitzender