Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Fegebank
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Lenzen,
sehr geehrter Herr Dr. Hecht,

ich schreibe an Sie in meiner Eigenschaft als Bundesvorsitzender der Partei Liberal-Konservative Reformer und beziehe mich auf die Vorgänge um die Antrittsvorlesung von Herrn Prof. Dr. Bernd Lucke am 16.10.2019 sowie das Verhalten der Universität und der zuständigen Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung , zudem zweite Bürgermeisterin der Hansestadt Hamburg.

Ich darf Ihnen mein außerordentliches Befremden darüber mitteilen, dass an der Universität, für die Sie verantwortlich sind, ein solcher undemokratischer Ungeist Platz greifen konnte, wie er am 16. Oktober bei der Antrittsvorlesung von Prof. Lucke offen zu Tage getreten ist, und die Leitung der Universität sich nicht entschieden dagegen wendet.

Zu erwarten gewesen wäre eine entschiedene Stellungnahme für die Freiheit der Wissenschaft, für den vernunftgeleiten Diskurs, gegen Intoleranz und Wahrheitsverdrehung sowie eine entschlossene Zurückweisung haltloser Beschuldigungen, ehrabschneidender Beleidigungen („Nazischwein“) und jedes Versuchs, einen Professor Ihrer Universität an der Ausübung seines Lehrauftrages zu hindern.

Es ist beklemmend, dass sich die mehrfach per Video dokumentierten Vorfälle in einem Hörsaal ereignet haben, der nach der 1942 in einem Konzentrationslager ermordeten Professorin Agathe Lasch benannt ist. 1934 wurde sie von randalierenden Nazi-Studenten an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert und schließlich von der Universität vertrieben.

Ein solcher Ungeist darf sich nie wieder in deutschen Hörsälen breit machen, egal mit welcher ideologischen Begründung er verbrämt ist. In der Methode, im Niederbrüllen und körperlicher Bedrängung politisch missliebiger Personen gleicht die vom AStA in Zusammenarbeit mit der sogenannten „Antifa“, also einer zumindest in Teilen kriminellen Vereinigung, initiierte Aktion gegen Prof. Lucke durchaus dem Verhalten und Vorgehen des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes.

Dass derartiges vorfallen würde, hat sich bereits Tage und Wochen vorher abgezeichnet und kann weder dem Präsidenten noch dem Kanzler der Universität entgangen sein und ebenso wenig der politisch zuständigen Senatorin und zweiten Bürgermeisterin.

Es ist unerklärlich und unverständlich, dass Sie sich nicht eindeutig positioniert und mit Prof. Lucke solidarisch gegen die Attacken eines aggressiven, geschichtslosen, intoleranten Mobs gestellt haben.

Die dafür erforderliche Zivilcourage darf man von dem Präsidenten einer deutschen Universität getrost erwarten, ebenso vom Kanzler und der zuständigen Senatorin.

Es ist durchaus üblich, dass bei Antrittsvorlesungen eine offizielle Begrüßung und Einführung durch den Präsidenten oder zumindest durch den zuständigen Dekan erfolgt. Es scheint mir das Gegenteil von Mut und Standhaftigkeit zu sein, dass dies unterblieben ist.

Die gemeinsame Erklärung des Präsidenten der Universität und der Senatorin und zweiten Bürgermeisterin ist an Mutlosigkeit und – mit Verlaub – Rückgratlosigkeit nicht zu überbieten. Sie haben nicht nur laviert ohne Position zu beziehen, sie haben sogar Verständnis für das Vorgehen der Studenten geäußert. Den einschlägigen Kommentaren von BILD bis Frankfurter Allgemeiner Zeitung kann ich mich nur anschließen.

Ich schreibe Ihnen nicht nur deshalb, weil Prof. Lucke Gründer und Vorgänger im Parteivorsitz ist und es mich und unsere Partei etwas angeht, wenn ein Mitglied wegen seiner politischen Meinung, die zweifelsfrei und uneingeschränkt den Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung verpflichtet ist, diskriminiert wird. Artikel zwei der Menschenrechtserklärung gilt auch für Prof. Lucke und jedes Mitglied der Partei Liberal-Konservative Reformer.

Ich schreibe Ihnen vor allen Dingen, weil ich als Vorsitzender einer Partei, die sich der Wissenschaft und dem Fortschritt besonders verpflichtet fühlt, in tiefster Sorge bin, dass die Freiheit von Forschung und Lehre in der Hansestadt und insbesondere an der Universität Hamburg nicht mehr uneingeschränkt gewährleistet ist und von den führenden Repräsentanten der Universität sowie der zuständigen Senatorin nicht einmal halbherzig verteidigt wird.

Es wird so gerne in der gesellschaftlichen und politischen Debatte „Haltung“ eingefordert. Nichts anderes erwarte ich von Ihnen. Sollte Ihnen dazu der Mut oder gar der Wille fehlen, bitte ich Sie eindringlich zu überdenken, ob Sie am richtigen Platz sind.

Mit besten Grüßen

Jürgen Joost
LKR-Bundesvorsitzender

Antifa stört Antrittsvorlesung