Oftmals übersehen, doch trotzdem von großer Bedeutung in den Debatten um die Zukunft der Europäischen Union, ist die Erweiterung des EU-Territoriums in den Westbalkan. Während die eigentlich geplante Aufnahme der Türkei für großes Aufsehen sorgt, ist das Eintreten der sechs Länder Osteuropas deutlich wahrscheinlicher. Serbien und Montenegro sollen bis 2025 aufgenommen werden, wie die EU-Kommission im Februar bekanntgab. Mazedonien und Albanien sind währenddessen schon als Eintrittskandidaten tituliert worden und Bosnien-Herzegowina und Kosovo warten ebenfalls bereits in den Startlöchern.

Dabei wäre die EU gut beraten, die Konsequenzen einer Erweiterung in den Osten genauer zu betrachten. Mit einer Aufnahme dieser Länder würden ihre Bürger Zugang zum Binnenmarkt und damit auch die Reise- und Arbeitsfreizügigkeit erlangen.

Was dies bedeuten könnte, sieht man im Moment bei derselben Strategie bezüglich Georgiens. Georgien ist zwar nicht in der EU, doch seit März letzten Jahres gilt für ihre Bevölkerung Visafreiheit in EU-Länder. Risiken gab es dabei genug, doch die EU zog es trotzdem durch. Die Folgen sind fatal, wie sich nun schon nach einem Jahr zeigt.

Die Asylbewerberzahlen aus Georgien sind seitdem in die Höhe geschossen. Wie die Welt berichtet, „während im September noch 238 Schutzsuchende von dort gezählt wurden, waren es im Oktober bereits 355, im November 444, im Dezember 522 und im Januar 745 Personen.“

Mit den Neuankömmlingen stieg auch die Kriminalität drastisch an. Der FDP-Flüchtlingsminister aus Nordrhein-Westfalen brachte dies erst kürzlich zur Sprache, als er meinte, dass er in seinem Bundesland „einen signifikanten Anstieg der Eigentumsdelikte“ feststellen musste mit einer „maßgeblichen Verantwortlichkeit“ der georgischen Asylsuchenden. Das Asylverfahren soll „von organisierten Gruppen offenbar als Möglichkeit genutzt, sich einen …. Aufenthalt und Wohnsitz zu verschaffen.“

Eine Studie des Bundeskriminalamtes zeigte, dass georgische Banden gezielt in Deutschland nach Asyl suchen. „Die georgischen Einbrecher- und Diebesbanden würden jährlich einen Millionenschaden verursachen. Hinter ihnen stünden vermutlich Strukturen der organisierten Kriminalität, die aus Georgien aber auch anderen europäischen Ländern gelenkt würden“, schreibt die Welt. Die Lage ist mittlerweile so dramatisch, dass sowohl NRW wie auch Bayern ein Aussetzen der Visafreiheit fordern.

Dabei ist die Lage in Westbalkanländern gar nicht so anders und es darf erwartet werden, dass sich ähnliches bei einer Visafreiheit aus diesen Staaten abspielen würde. Schon jetzt zeigt die Kriminalstatistik hohe Kriminalitätszahlen von Einwanderern aus den Westbalkanländern. Im Bundeslagebericht 2016 zur „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ heißt es, dass jeder fünfte tatverdächtigte Einwanderer Albaner war – wohlgemerkt im ersten vollen Jahr mit Neuankömmlingen aus dem Nahen Osten und Nordafrika. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl kam währenddessen „die Hälfte (49%) aus den Balkanstaaten.“

Statt also von den schon jetzt katastrophalen Ergebnissen aus Georgien zu lernen – mit Anzeichen, dass ähnliches auch aus dem Westbalkan auf uns zukommen könnte – setzt sich die EU lieber voll für eine Erweiterung ein. Es scheint ihr eher um Quantität der Mitgliedstaaten als um Qualität für die Bürger ihrer Mitglieder zu gehen.