Bärendienst oder Problembär – Dürfen deutsche Nationalspieler Erdogan huldigen?

Stuttgart, 16.06.18 – Mitte Mai ließen sich die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Erdogan ablichten. Die Wahlkampfhilfe für Erdogan sorgte für so viel Kritik, dass mehr über Özil und Gündogan als über die Nationalmannschaft und die WM geredet wurde.

Weiter angefacht wurde die Kritik, weil Gündogan entgegen falscher Medienberichte keinen türkischen, sondern nur den deutschen Pass besitzt. Der DFB hat mitgeteilt, dass Gündogans Wurzeln in der Türkei liegen, aber er nicht im Besitz der doppelten, sondern ausschließlich nur der deutschen Staatsbürgerschaft ist. Gündogan überreichte Erdogan beim Treffen ein Trikot, auf dem geschrieben Stand: „Für meinen verehrten Präsidenten hochachtungsvoll.“ Viele Medien und Kommentatoren wollten die Widmung bereitwillig durch die noch bestehende türkische Staatsbürgerschaft rechtfertigen, was nun aber ausfällt.

Erdogan ist nicht nur türkischer Präsident, sondern zunehmend ein Despot, der den Rechtsstaat mit Füßen tritt und reihenweise Journalisten einsperren lässt. Für das Verhalten Gündogans gibt es daher nur zwei Erklärungsvarianten, die beide wenig erfreulich sind. Entweder befürwortet Gündogan das autokratische Regime Erdogans, dann ist er ein Antidemokrat und sein Bekenntnis zu deutschen Werten falsch. Oder aber er befürwortet zwar nicht die Diktatur, leistet aber trotzdem Wahlkampfhilfe für Erdogan, dann stellt er seinen Nationalismus über die Menschenrechte. In seiner Stellungnahme zu der massiven öffentlichen Kritik sagte Gündogan gegenüber Bundespräsident Steinmeier:

„Ich habe ihm gesagt, dass ich mich zu Deutschland und der deutschen Nationalmannschaft bekenne, aber durch meine Familie auch eine türkische Seite in mir habe. ……Ich verstehe die Kritik an meinem Handeln. Aber es hat mich persönlich sehr getroffen, mir vorwerfen zu lassen, dass ich unsere Werte nicht respektiere. Ich bin deutscher Staatsbürger, der die Nationalhymne singt.“

Niemand würde Hr. Gündogan seine weiterbestehenden Heimatgefühle zur Türkei verübeln. Es geht vielmehr darum, dass er einem Despoten Wahlkampfhilfe leistet und ihm geradezu ehrerbietig huldigt. Viel zu wenig beachtet wird, dass Gündogan sich in seiner Stellungnahme mit keinem Wort von „seinem“ Präsidenten distanziert oder die Menschenrechtsverletzungen angeprangert hat. Damit aber bleibt sein Bekenntnis zu unseren Werten nicht mehr als ein unglaubwürdiges Lippenbekenntnis.

Massive Pfeifkonzerte gegen Gündogan und Özil schwächen nicht nur die Mannschaft, sondern auch den Zusammenhalt der Fangemeinde. Je nachdem, ob man den sportlichen Erfolg oder die Gesinnung der Spieler höher bewertet, bilden sich zwei gegensätzliche Lager. Gündogan und Özil haben durch ihre Wahlkampfhilfe für Erdogan kurz vor der WM den Schaden für die deutsche Mannschaft ganz bewusst in Kauf genommen. Das nehmen ihnen nicht nur die Fans, sondern sicherlich auch viele Mitspieler übel. Damit aber ist ein Störfaktor eingezogen, der dem Wirgefühl der „Elf-Freunde“ im Wege steht. Aus dem Bärendienst, den beide unstreitig der Mannschaft erwiesen haben, wird immer mehr der Problembär Gündogan. Letztlich müssen die Fans durch ihr weiteres Verhalten entscheiden, ob er in der Mannschaft verbleiben kann.

Horst Speichert,

Justitiar Landesvorstand BW

2018-06-22T05:49:56+00:0022.06.2018|
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