Handelskrieg mit den USA

Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob wir uns nun in einem Handelsstreit mit den USA befinden. Fakt ist: es ist aktuell amerikanische Politik, andere für egal was zur Kasse zu bitten. Trump hat das Spiel sehr wohl durchschaut: wir Europäer sind die Weltmeister im Verhandeln. Und baut man Druck auf Europa auf, dann verhandeln wir eben. Und bereits verhandelte Verträge werden eben noch einmal neu verhandelt. Diese Schwäche nutzt Trump natürlich aus.

Wer Kinder hat, kennt das Problem: wer andauernd nachgibt und „neu verhandelt“, wird nicht mehr ernst genommen und von den eigenen Kindern untergebuttert.

Das bedeutet in der Konsequenz: entweder wir geben wieder und wieder nach oder bleiben hart und akzeptieren eine Krise. Denn die Zölle, egal ob auf Alu & Stahl oder auf Autos, werden in jedem Fall früher oder später kommen. Also sollten wir uns jetzt darauf vorbereiten. Die Automobilindustrie hat alle 4-8 Jahre eine Krise durchzustehen gehabt. Die weiß, wie man damit umgeht: die Grundausstattung ändert sich und es wird unmerklich teurer. Es waren noch nie Billigautos. Und zum anderen müssen Arbeitsplätze aus USA z.B. nach Kanada oder Mexiko verlagert werden. Die amerikanischen Produktionskosten müssen runter. Das war seit jeher das Krisen­rezept der Automobilisten. Kosten­reduzierungen um 10% habe ich in der Auto­branche mehrfach selbst erlebt, das ist nichts Neues. Und die Stahlbrache wird sich nicht sehr viel anders verhalten.

So wird es auch in allen anderen kommenden Krisen um amerikanische Interessen sich drehen. Alle sicherheitspolitischen Krisen führen zu Waffengeschäften mit vornehmlich amerikanischen Firmen. Selbst die drohenden Sanktionen gegen die Gaspipeline aus Russland haben amerikanische Wirtschaftsinteressen als Ursache: man will das Gas selbst liefern, so steht es sogar im entsprechenden amerikanischen Gesetz.

Bleibt die Frage: wollen wir permanent weiterverhandeln, bis wir unsere eigenen Grundsätze nicht mehr wiedererkennen oder nehmen wir mal eine überschaubare Wirtschaftskrise in Kauf. Auch muss man sich fragen, welche Forderung dann kommt, wenn wir – wieder mal – nachgegeben haben. Es ist illusorisch zu glauben, dass diese Spirale im zweiten oder dritten Amtsjahr von Trump plötzlich endet.

Also stellen wir uns endlich unserer Verantwortung. Deutsche Politiker sind nicht von Amerikanern gewählt worden. Stehen wir es durch – wir müssen es früher oder später ohnehin. Dann lieber zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche Wirtschaft ohnehin zu überhitzen droht.

2018-05-15T15:24:35+00:0004.05.2018|
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