Videokonferenz statt neue Hausärzte

Es mangelt uns insbesondere im ländlichen Raum an Haus- & Fachärzten. In 2015 schon waren über 40% der Landärzte älter als 60 Jahre, etwa 75% älter als 50. Wollen wir hoffen, dass Ärzte nicht so schnell altern wie alle anderen Menschen, sonst würden diese Zahlen mittlerweile weit schlimmer aussehen.

Junge Ärzte zieht es weit überwiegend nur in die Städte oder an den Bodensee. In solchen Regionen ist jetzt schon eine Überversorgung erkennbar, weil es dort einfach nicht genug Patienten gibt.

Damit die jungen Stadt-Ärzte an die „überzähligen“ Patienten der fehlenden Land­ärzte kommen, hat der Deutsche Ärztetag nun eine einschneidende Änderung beschlossen. Man kann sich zukünftig per Videokonferenz und sogar per Telefon von seinem Arzt behandeln lassen. Und der junge Arzt kann das dann problemlos von der Veranda seines Gartens mit Seeblick tun. Und schon stimmt die Gesamtstatistik wieder, wonach genügend Ärzte in einem Bundesland zur Verfügung stehen.

Selbst bei einer banalen Erkältung wurde früher immer noch die Lunge abgehört. Schließlich ist eine verschleppte Lungenentzündung ernst zu nehmen. Wie will man solch eine ordentliche Diagnose am Telefon durchführen? Oder dreht sich nur um eine Telefonische Krankmeldung?

Interessanterweise wird der Telemedizin-Arzt bei den unweigerlich häufiger vorkommenden Fehldiagnosen vorsorglich aus der Haftung entlassen – das wird zumindest gerade diskutiert. Der Patient hätte ja auch deutlicher ins Telefon husten können.

Nachwuchs an Landärzten wird durch die Ärzte-Standesvertretungen erfolgreich verhindert, weil man unbeirrt an einem numerus clausus System festhält, welches willige Studenten auf die Wartebank statt in den Hörsaal zwingt. Es werden auch nicht so viele Studienplätze geschaffen wie benötigt. Und selbst bei der Bezahlung schneiden Landärzte deutlich schlechter als die ihre Stadt-Kollegen ab –alles dank der Kassenärztlichen Vereinigung.

Wer nun glaubt, er könne einfach in die Notaufnahme des Krankenhauses gehen, Fehlanzeige. Die Pläne des Krankenkosten-Minimierungs-Minister („Gesundheits-minister“ kann man ja nicht mehr sagen), sind hier ganz klar: diese werden ausgedünnt, weil die „Qualität“ dort nicht im rechten Maß gegeben ist. Diese Patienten sollen ja auch lieber eine „Gesundheits“-Hotline anrufen.

Dass es solche Hotlines in Zukunft geben wird, liegt auf der Hand. Aber wo Ärzte fehlen, hilft auch die Telemedizin nicht. Dann wird eine freundliche automatische Stimme uns auffordern, bei Husten und Heiserkeit die 1 zu wählen und bei Herzinfarkt besser die 9. Anschließen wird die automatische Stimme uns mitteilen, wie viele Minuten die voraussichtliche Wartezeit sein wird. Diese Qualität solcher „Call-Center“ kennt jeder von uns. Nur: wir sind Menschen, keine kaputten Handys.

2018-05-15T14:53:01+00:0009.05.2018|
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