Märchen vom Sommermärchen

Özil will nicht mehr Nationalfußballspieler in einer deutschen Mannschaft sein und damit auch nicht mehr ein Botschafter Deutschlands. Eine deutsche Nationalhymne zu singen, ist für ihn und für viele andere Fußballer mit Migrationshintergrund und deutschem Pass unzumutbar, sie wollen das nicht. Ihr Herz sei zerrissen, heißt es nicht selten. Obwohl in Deutschland geboren, wollen sie diese Hymne nicht singen „Einigkeit und Recht und Freiheit…“

Niemand wird dazu gezwungen, das Trikot der deutschen Fußball National Mannschaft zu tragen und die Nationalhymne zu singen. Niemand muss in diesem Land leben. Wer aber in dieser Deutschen Fußball Mannschaft spielen will, dem muss auch klar sein, welche Aufgaben und welches Selbstverständnis damit verbunden sind, dieses Trikot tragen zu dürfen. Man muss sich das verdienen, Teil dieser Mannschaft zu sein und mit Stolz die Nationalhymne Deutschlands singen zu dürfen. Die Fußballer aus Frankreich haben in Russland demonstriert: egal woher wir kommen, egal wer wir sind, wir sind alle Franzosen, wir singen und siegen gemeinsam. So war es in den Medien zu lesen und zu sehen.

Neben der Wirtschaft ist der Spitzensport der einzige öffentliche Bereich, in dem sich Politik und Gesellschaft so etwas wie Nationalstolz erlauben.

Es ist schon einige Jahre her, dass Politik und Medien in Deutschland erleben wollten, wie großartig die Fußball Nation Deutschland ist, auf Jahre fast unschlagbar. Brasilien erlebte später die Fortführung des deutschen «Sommermärchen», Özil und co besiegten die stolze Fußball Nation mit 7:1, ein „Siebtes Fußball Wunder“. In der FAZ hieß es am 8.7.2014 „Den Deutschen gelingt mit dem 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien ein historisches Monumentalwerk.“ Khedira und Özil waren Vorzeige Beispiele gelungener Integration. Die Kanzlerin in der Kabine der Fußballer signalisierte: ich bin die Mutter des Erfolgs, wir alle sind gelebte Integration, wir alle sind der Inbegriff eines märchenhaften Erfolgs: Politik, Fußball, Bildung, Wirtschaft, Gesellschaft.
Dass diese Botschaft der Inbegriff eines Märchens war, ist zurzeit überall zu sehen: die Fußball Mannschaften sind nicht spitze, besonders im internationalen Vergleich, unsere Universitäten sind im internationalen Vergleich mittelmäßig bis abgeschlagen, die Wirtschaft demonstriert „Lügen und Betrügen“ und die Gesellschaft beginnt langsam darüber nachzudenken, wer und was sie denn sein will. Die „totgeschwiegene“ Diskussion einer Leitkultur bricht wieder auf. Das ist der Punkt an diesem Thema Özil, den ich positiv werte. Wir müssen reden und streiten, was wir wollen.

Wir sprechen über das Märchen der gelungenen Integration. Das Thema lautet: Was will die deutsche Gesellschaft?
Reicht es, auf Trump zu schimpfen und alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen zu wollen? Was macht eigentlich unsere Bundeswehr? Wird die Bundeswehr eine Söldnerarmee, brauchen wir eine Fremdenlegion, weil Deutsche keine Verantwortung tragen wollen, nicht kämpfen und auch nicht schießen? Wir unterstützen Kriege, wollen aber nicht mitmachen?
Müssen wir lernen, Eigenverantwortung zu tragen, statt sich die Welt schön zu reden? Müssen wir uns von Märchen verabschieden und lernen, Realitäten auszuhalten?
Die EU ist zerstritten wie nie, die Briten verabschieden sich aus der EU, viele türkischen Migranten wählen Erdogan in Deutschland, stellen sich aber nicht die Frage, warum sie in Deutschland leben.
Deutschland ist kein Märchenland, es zählen die Fakten und wir haben jede Menge Aufgaben.

Da sagt jemand „Ich will nicht für die Fußball Mannschaft Deutschlands“ spielen. Wo ist das Problem. Wir sollten daraus lernen.

Willi Knaup – Landesvorsitzender LKR NRW

2018-08-12T13:02:59+00:0012.08.2018|
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